Sinn des Blogs

Ich möchte lernen, nicht ständig all meine Probleme und Ängste in mich hinein zu fressen, sondern sie auch sichtbar machen. Vielleicht gibt es irgendwo ja auch jemanden, dem es ähnlich ergangen ist wie mir.

Mein Leben war nie einfach. Ich war eine Frühgeburt und meine Chancen standen nicht gut, zu überleben - dennoch tat ich es, war fortan aber fast ständig krank und schwächelte.
Dazu kam eine schwerwiegende Lernschwäche, die mir das Leben wahrlich zur Hölle gemacht hat. Ein Schulwechsel nach dem anderen, Lehrer(innen), die einfach nur heillos mit mir überfordert waren, und mich letztendlich auf eine Sonderschule schicken wollten, nur weil ich dem Unterricht nicht immer hundertprozentig folgen konnte.

Dank meiner Mama bin ich dort aber nicht gelandet (Rechtsstreit, der sich in die Länge gezogen hatte) - denn wäre das passiert, hätte ich heute wohl gar keine Zukunftschancen.

Ständiges Mobbing, Hassbriefe, Terroranrufe ... nur weil ich nicht genauso war wie meine Mitschüler ...



Meine Lernschwäche begleitete mich also durch die gesamte Zeit der VS, sowie durch die Hauptschule. Es war einfach nur deprimierend zu sehen, wie alle anderen SchülerInnen in normalem Tempo das Rechnen und Schreiben lernten, während ich monatelang mit meinen eigenen Sonderpädagogen und -innen im selben Klassenzimmer saß und immer und immer wieder dasselbe lernen musste ... man machte sich eigentlich auch keine Mühe mehr, mir was Neues beizubringen, stattdessen ließ man mich immer wieder dasselbe "lernen", wobei ich immer wieder gezeigt habe, dass ich DOCH auch lernfähig war.

Erst in der Hauptschule, nach über einem Jahr, schienen meine neuen Lehrer doch Potential in mir gesehen zu haben, denn ich verlor nach und nach meine sonderpädagogische Begleitung durch sämtliche Schulfächer, bis ich so gut und teilweise sogar noch besser als die "normalen" Schüler war. Nur Mathematik blieb mein Steckenpferd; Kopfrechnen? Kaum möglich. Textaufgaben zu lösen? Unmöglich.

"Deine Mutter hätte dich abtreiben sollen. Du machst nur Schwierigkeiten." - Zitat Großmutter.

Trotz allem besuchte ich nach der HS ein spezielles Gymnasium, das das sog. "Übergangsjahr" anbot, in welchem man alle wichtigen, grundlegenden Sachen wiederholte, um so gut vorbereitet in die Oberstufe einsteigen zu können. Ich hatte mir gar nicht erst erhofft, es so weit zu schaffen - auch hier machte sich meine massive Lernschwäche bemerkbar, sodass eine Professorin mal dachte, ich würde sie verar*chen, als ich ihr mitteilte, dass ich nicht wüsste, was "ein Viefaches von X" bedeuten sollte.
Trotzdem stieg ich danach in die 5. Klasse auf, kämpfte, stieg in die 6. auf, usw ... all diese Jahre waren von ständigem Selbsthass geprägt - denn warum musste ich ständig negativ auf so gut wie alle Mathearbeiten sein, trotz ewigem Lernens?! Nur durch ständige Mitarbeit, Lernzielkontrollen o.ä. konnte ich mich meist über Wasser halten. Aufgeben konnte und wollte ich nicht, also habe ich alles ertragen: Schimpftiraden meines verhassten Lehrers, Selbstverletzung, Heulattacken, Glieder- und Rückenschmerzen, Schlaflosigkeit, Einsamkeit ...

2010 habe ich letzten Endes das Gymnasium mit Matura abgeschlossen und erhoffe mir seitdem einen Medizinstudium-Platz in Wien. 

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